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07.12.2021

Australiens Au-pair-Programm kurz vor dem Neustart

Normalerweise halten sich 3.000 bis 4.000 Au-pairs in Australien auf. Mit Ausbruch von Covid-19 im März 2020 sind alle abgereist. Da das Land seine Grenzen konsequent geschlossen hielt, mussten sich Familien anderweitig behelfen. Ab Mitte Dezember dürfen Au-pairs nun wieder einreisen. Wie sieht der Neustart des Au-pair-Programms aus? Wir haben die Agentur Au pair Australia interviewt.

Was erwartet ein Au-pair in Australien?
Unser Au-pair-Programm ähnelt dem europäischen: Arbeitszeit max. 35 Stunden, Wochenende frei, Taschengeld sieben bis acht Dollar pro Stunde. Einige Familien stellen auch ein Handy zur Verfügung. Manche Gastfamilien erwarten von den Au-pairs einen Führerschein. Andere haben kleine Kinder, die nicht zur Schule gefahren werden müssen. Akzeptiert werden nur NichtraucherInnen, weil Australien ein Nichtraucherland ist.
Die Agentur Au pair Australia gibt es seit 2008. Wir platzieren Au-pairs im ganzen Land, in den großen Städten, aber auch in entlegenen Gegenden.
Wenn das Au-pair ankommt, rufen wir es an und bieten unsere Unterstützung an. Es gibt u. a. ein Welcome-Package mit Travel-Discounts, eine SIM-Karte, ein kleines Kochbuch, das erklärt, wie man Lunchpakete zubereitet, und einen Online-Kurs von einem Kinderarzt über Babypflege. Wir richten unseren Au-pairs vorher ein Bankkonto ein. Dann müssen sie nach ihrer Ankunft nur noch zur Bank gehen und ihre Kreditkarte abholen.

Wie sieht es mit den Kosten aus? Können Au-pairs mit dem Taschengeld bei Ihnen gut zurechtkommen?
Ja, auf jeden Fall. Sie müssen für Flug, Vermittlung, Versicherung und Visum bezahlen, aber die laufenden Kosten werden durch das Taschengeld gedeckt. Viele Au-pairs sparen davon sogar genug, um nach 6 Monaten herumzureisen.

Welche Nationalitäten von Au-pairs sind bei Ihnen am beliebtesten?
Es bewerben sich viele SüdamerikanerInnen, die gerne kämen. Aber beim Working Holiday Visum, das von Au-pairs benötigt wird, werden hauptsächlich EuropäerInnen akzeptiert. Die meisten kommen, um hier Englisch zu lernen: Deutsche, Franzosen und Italiener. Wir haben auch BewerberInnen aus Großbritannien, einige aus den USA und Kanada.

Wie lange ist die Bearbeitungszeit für ein Working Holiday Visum?
Vor Corona gab es für EuropäerInnen ein besonders schnelles Online-Bewerbungsverfahren. Sie erhielten ihr Visum in der Regel innerhalb von zwei bis drei Tagen. Ob die Bearbeitungszeit jetzt so schnell wie vor der Pandemie ist, kann ich nicht sagen, weil die Grenzen gerade erst wieder öffnen werden.
Anders als Europa haben wir als Commonwealth-Staat übrigens keine Probleme mit UK nach dem Brexit. BritInnen können sich bei uns genauso wie zuvor für das Working Holiday Visum bewerben.

Ein Au-pair ist normalerweise 6 Monate in der Familie, darf es auch länger bleiben?
Das Working Holiday Visum wird für 12 Monate ausgestellt. Die jungen Menschen können entscheiden, ob sie 6 oder 12 Monate in derselben Familie leben wollen. 6 Monate sind das Minimum. Wenn sie für ein Jahr bleiben möchten, können wir eine Verlängerung beantragen. Je weniger sich die Kinder auf eine neue Betreuung einstellen müssen, desto mehr freuen sich die Eltern.

Wie hat die Pandemie die Au-pair-Landschaft in Australien verändert?
Die Schließung von Agenturen ist ein Problem. Wir haben vorher mit einigen Partnern in Frankreich gearbeitet. Nun fragen wir uns, was da los ist. Telefonisch erreichen wir sie nicht und auf E-Mails antworten sie nicht. Wahrscheinlich haben sie  ihre Agenturen geschlossen.
Während der fast zwei Jahre hatten wir keine einzige Vermittlung. Die Familien haben das nicht verstanden und uns jeden Tag angerufen, um nach einem Au-pair zu fragen. Im Frühjahr 2020 sind die meisten Au-pairs zu ihren Familien zurückgekehrt, weil sie sich gesorgt haben.
Nun ist es wie ein Neuanfang für uns. Viele Partneragenturen haben ihren Fokus verlegt und machen nur noch Inbound. Wir müssen jetzt neue Kooperationspartner finden. Wir haben eine lange Liste von Familien und können den Au-pairs zwei bis drei Familien zur Auswahl anbieten.

Waren gar keine Au-pairs mehr im Land, auch nicht aus Neuseeland beispielsweise?
Für NeuseeländerInnen war Au-pair in Australien nie attraktiv. Erstens wegen der Sprache, die sie ja nicht lernen müssen,, und zweitens, weil sie zum Commonwealth gehören. Sie können hier legal in allen Bereichen tätig werden und haben es nicht nötig, nur für ein Taschengeld zu arbeiten.

Gab es in Australien auch Schul- und Kitaschließungen, so dass Familien besonders auf ein Au-pair angewiesen waren?
Von Juni bis Oktober hatten wir einen sehr strengen Lockdown. Nach der Ankunft von Delta im Juni mussten viele Eltern im Homeoffice arbeiten. Die Schulen waren geschlossen. Wir durften das Haus nur in einem Umkreis von 5 km verlassen. Die Einschränkungen waren für alle sehr hart.

Ist der Alltag jetzt wieder normal?
Seit dem 25. Oktober sind alle Kinder aus dem Bundesstaat New South Wales wieder in der Schule und wir arbeiten wieder normal. Nun haben wir alles im Griff. Wir müssen mit dem Virus leben. In Victoria sind  über 80 % der Menschen vollständig geimpft. Queensland und New South Wales haben sogar eine Impfquote von 92 %. So sind wir alle zur Normalität zurückgekehrt.

Niedrige Inzidenz und hohe Impfquote haben also zur Öffnung des Landes geführt?
Für vollständig Geimpfte wurden in New South Wales schon Mitte Oktober alle Restriktionen aufgehoben. Wir fühlen uns nun sicher. Es war eine lange Zeit, in der wir nicht reisen durften und Familien sich nicht sehen konnten.

Australien hat auch keine Touristenvisa ausgestellt und niemand konnte ins Land kommen, richtig?
Genau. Selbst für Australier, die bei Ausbruch der Pandemie in der Welt unterwegs waren, war es sehr schwierig, eine Einreisegenehmigung zu erhalten. 30.000 Australier waren außerhalb des Landes und konnten nicht zurückkommen. Die strikte Grenzschließung hat natürlich auch den Tourismus hart getroffen.

Da haben Sie jetzt wenigstens Glück, dass Sie die Hochsaison im Januar mitnehmen können.
Ja, das stimmt, wobei Au-pair-Aufenthalte im Dezember und Januar wegen Weihnachten normalerweise nicht beginnen. Familien reisen dann oft. Für die Au-pairs sind es wiederum schöne Monate, weil wir hier Sommer haben.

Gelten für Au-pairs besondere Einreisebestimmungen?
Sie müssen wie alle anderen, die nach Australien kommen, vollständig, also zwei Mal geimpft sein. Die Booster-Impfung ist nicht Pflicht. Quarantäneverordnungen gibt es keine.

Welche Impfstoffe sind in Australien zugelassen?
Pfizer/Biontech, Moderna, AstraZeneca … Es werden auch noch weitere akzeptiert.

Haben Sie Befürchtungen, dass sich die Situation durch die neue Virusvariante Omikron wieder verändern könnte?
Nein, wir denken nicht, dass Omikron gefährlicher und ansteckender als Delta ist.

Ist beim Au-pair-Programm in Australien auch der Besuch eines Sprachkurses vorgesehen?
Ja, nur leider sind die Sprachschulen sehr teuer. In den Universitäten sind die Preise moderater. Ich rate den Au-pairs, bei öffentlichen Bibliotheken nachzufragen, wo es oft Konversationskurse gibt. Auch die Kirchen bieten mitunter Englischunterricht an. Die katholische Kirche kümmert sich darum, weil viele ImmigrantInnen in Australien leben, die ihr Englisch dringend verbessern müssen.

Englisch im Ausland zu lernen, ist für Deutsche im Moment schwierig. Nach dem Brexit können sie nicht mehr Au-pair in Großbritannien werden. Die USA haben die Grenzen auch erst im November wieder geöffnet. Von daher ist es toll, dass Aufenthalte in Australien wieder möglich sind.
Klar, es ist weit weg, aber ein wunderbares Zielland. Fast immer schönes Wetter, milde Winter. Ich bin guter Hoffnung, dass demnächst viele europäische Au-pairs einreisen …

www.aupair-australia.net

 

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