Wenn sich Branchenvertreter aus aller Welt treffen, die das gemeinsame Ziel verfolgen, jungen Menschen Türen zu öffnen und Kulturen zu verbinden, entsteht eine besondere Atmosphäre. Genau diese Stimmung prägte die WETM-IAC 2026, die vom 18. bis 20. März in Sofia stattfand. Die bulgarische Hauptstadt, eine der ältesten Städte Europas, bot den perfekten Rahmen für eine Konferenz, die Mut macht in einer Zeit, in der die Welt unsicherer denn je erscheint.
Rund 130 Delegierte aus 30 Ländern kamen zusammen, um sich auszutauschen, Partnerschaften zu stärken und aktuelle Herausforderungen zu diskutieren. Neben US-amerikanischen Organisationen waren in diesem Jahr besonders Agenturen aus Belgien und den Niederlanden stark vertreten. Doch ganz gleich, aus welchem Land die Teilnehmenden angereist waren, ihre Überzeugung blieb dieselbe: Au-pair-Aufenthalte stärken Frieden, Verständnis und Menschlichkeit – weltweit.
Neue Programme, neue Perspektiven – und ein Verband, der viel bewegt
Ein zentraler Moment der Konferenz war die Jahreshauptversammlung der IAPA International Au Pair Association e. V., die seit 1994 für hohe Qualitätsstandards im kulturellen Austausch steht. Es wurde ein neuer Vorstand gewählt: Neben Geschäftsführerin Patricia Brunner übernehmen nun Jean Quinn (AIFS), Charlotte Cappa-Domenge (AFJ) und Kati Mäder (GO4AUPAIR) Verantwortung im Verband.
Ein wichtiges Thema war der Aufbau eines regulären Au-pair-Systems in Italien. Derzeit steht das Programm nur Bewerber:innen aus der EU offen. Interessierte aus Nicht-EU-Staaten müssen hohe Hürden bei den Sprachkenntnissen überwinden und haben keinen Zugang zu einem Au-pair-Visum.
Auch Spanien soll nun folgen. Dort soll ebenfalls ein offizielles Programm entstehen, das jungen Menschen aus aller Welt offensteht. Im Rahmen der Veranstaltung ehrte die IAPA zudem langjährige Mitgliedsorganisationen mit Urkunden für 10, 15, 20, 25 und 30 Jahre Zugehörigkeit.
Das Au Pair of the Year – immer berührend
Einer der emotionalsten Programmpunkte war die Verleihung des „IAPA Au Pair of the Year Award“. Die diesjährige Gewinnerin, Jemimah Waceke Mwithiga aus Kenia, ist ein inspirierendes Beispiel dafür, wie wirkungsvoll kultureller Austausch sein kann. Jemimah wurde von der Agentur Aupairagent nach Dänemark vermittelt. Dort lernte sie nicht nur Dänisch, meisterte alle Tests mit Bravour, sondern brachte den Kindern ein wenig Suaheli bei und baute eine liebevolle Beziehung zur ganzen Familie auf. Das Video zeigt eindrucksvoll, wie Jemimah beide Kulturen miteinander verband, wie sie mit ihrer Gastmutter über die Unterschiede zwischen Dänemark und Kenia sprach - über Erziehung, Bildung, Politik und insbesondere über Freiheit und Mut – und wie sie dabei ihren eigenen Weg fand.
Besorgte Blicke Richtung USA – die Zukunft von „Au Pair in America“
Ein Thema, das viele Delegierte bewegte, war der Rückgang im US-Programm „Au Pair in America“. Trotz seines hervorragenden Rufs und der strengen Qualitätskontrollen steht das Programm unter politischem Druck. Im Jahr 2025 reisten nur noch 16.838 Au-pairs in die USA, was einem Rückgang von über 13 Prozent entspricht.
Gleichzeitig zeigte sich aber auch Hoffnung, wie Mark Overmann von der Alliance for International Exchange berichtete. Die Zahl Beschwerden ist deutlich zurückgegangen, was auf die enge Zusammenarbeit mit den Programmsponsoren zurückgeführt wird. Diese müssen jede Abweichung – vom verspäteten Ausreisetermin bis zu größeren Konflikten – detailliert an BridgeUSA melden. Die hohe Regulierung stärkt letztlich die Professionalität der Vermittlungsorganisationen.
KI im Kulturaustausch – Generation Z verändert die Regeln
Spannend und zukunftsweisend waren die Impulse aus den Sessions von Bojan Kordalov vom European Centre of Excellence in Brüssel. Er zeigte, wie selbstverständlich die Generation Z bereits heute auf generative KI zurückgreift – sei es bei der Reiseplanung, bei Bewerbungen oder bei der Wahl des Bildungswegs.
Für die Au-pair-Branche bedeutet das: Webseiten, Texte und Services müssen so gestaltet sein, dass KI-Systeme sie richtig verstehen und wiedergeben können. Auch für DR-WALTER, der viele junge Menschen als Experte für Reise- und Auslandsversicherungen begleitet, ist dies ein entscheidender Schritt in die Zukunft.
Abschied und Aufbruch – ein neues Kapitel beginnt
Mit einem wehmütigen, aber herzlichen Abschied endete die Konferenz: David Chapman, langjähriger Direktor der WYSE Travel Confederation, geht in den Ruhestand. Die Entscheidung, die WETM-IAC 2027 an der Algarve auszurichten, hat er noch verantwortet.
Sein Nachfolger Andrew Fenner bringt ein beeindruckendes Spektrum an Erfahrung mit und wird der Branche mit Sicherheit neue Impulse verleihen.